Das Problem: Ein Freibad in Rheinland-Pfalz verliert sein Rot
Beim Neubau des Freibads in Bad Kreuznach wurden 2022 rund 180 Quadratmeter Sichtbeton in einem kräftigen Rotton ausgeführt. Nach 14 Monaten meldeten Badegäste, die Wand wirke „ausgewaschen“. Eine Farbmessung bestätigte den Eindruck: Der Delta-E-Wert lag bei 4,2, sichtbar als blasserer, leicht grauer Schleier. Die Betreiber hatten nicht mit einem optischen, sondern einem materialtechnischen Problem gerechnet. Beim Projekt betonred trat genau dieser Effekt auf, obwohl die Erstbemusterung im Labor perfekt aussah.
Die Folge war nicht nur Kosmetik: Die Gemeinde musste eine Nachbesserung budgetieren, und der Architekt musste erklären, warum die vertraglich zugesicherte Farbwirkung nicht hielt. Der Streitpunkt war weniger der Rotton selbst als die Frage, welche Rezeptur unter realen Witterungsbedingungen stabil bleibt.
Die Ursache: Eisenoxidpigmente und Calciumsulfat statt falscher Farbe
Die Analyse der Bohrkernproben zeigte einen Pigmentanteil von 3,5 Prozent Eisenoxidrot. Das Pigment war nicht falsch, aber zu grob dispergiert. Regenwasser und UV-Strahlung lösten an der Oberfläche feine Carbonatisierungsprozesse aus, die den roten Farbkörper teilweise überdeckten. Zusätzlich enthielt der Beton Calciumsulfat aus dem Zuschlag; in Verbindung mit Feuchtigkeit bildete sich oberflächennah Ettringit. Dadurch entstanden mikroporöse Zonen, die den Farbton grau brachen.
Ein zweiter Faktor war die Nachbehandlung: Der Beton wurde nur drei Tage feucht gehalten, bei einem Wasser-Zement-Wert von 0,48. In dieser Zeit konnte die Oberfläche nicht vollständig durchhydratisieren. Das erhöhte die Kapillarporosität und damit die Angriffsfläche für Schmutzwasser.
Die Lösung: Rezeptur mit Stabilisator und angepasster Nachbehandlung
Für die Sanierung wurde die Mischung auf 2,8 Prozent mikronisiertes Eisenoxidrot umgestellt und mit 0,4 Prozent eines polymeren Stabilisators ergänzt. Der Wasser-Zement-Wert sank auf 0,42. Entscheidend war außerdem eine siebentägige Feuchtnachbehandlung mit Abdeckvlies, gefolgt von einer dreiwöchigen Trocknungsphase vor der ersten Bewitterung. Eine 2×2-Meter-Musterfläche bestätigte nach 28 Tagen einen Delta-E-Wert von unter 1,5 gegenüber dem Referenzmuster.
Die Mehrkosten lagen bei etwa sechs Prozent der Betonfläche. Dem standen eingesparte Nachbesserungen und ein planbarer Unterhalt gegenüber. Wichtig ist, die Musterfläche unter realer Ausrichtung zu prüfen: Nordwände verhalten sich anders als Südwände mit direkter Sonneneinstrahlung.
Die Kontrolle: Drei Messpunkte pro Wand und ein Logbuch
Nach dem Einbau wurden pro Wand drei feste Messpunkte definiert und mit einem Spektralfotometer dokumentiert. Die Bauleitung führte ein Logbuch mit Datum, Witterung und Messwert. Nach zwölf Monaten lag die maximale Abweichung bei 1,1 Delta-E. Damit war die Farbstabilität belegt, bevor die Gewährleistung endete.
Für künftige Projekte gilt: Roter Sichtbeton braucht keine Geheimrezeptur, sondern eine dokumentierte Kette aus Pigmentprüfung, Mischungsentwurf, Nachbehandlung und Farbkontrolle. Wer nur auf das Erstmuster schaut, riskiert einen teuren Grauschleier.